|
Ein Buddhismus ohne den Kreislauf der Wiedergeburt, ohne spirituelle Meister? Säkulare Buddhisten stellen die Grundpfeiler ihrer Tradition infrage.
Mechthild Klein
1 Kommentar
Es gibt Geschichten, die sich nicht dadurch auszeichnen, dass sie komplex wären, sondern dadurch, dass manche Akteure sie komplex erscheinen lassen wollen. Der Missbrauchsfall im TTC Hamburg, über den ich in Ursache\Wirkung berichtet habe, gehört zu diesen Geschichten. Die Fakten sind klar; die Stimmen der Betroffenen deutlich; die Chronologie gut dokumentiert. Und doch ist das, was sich nun anschließt, mindestens ebenso aufschlussreich wie der Missbrauch selbst: die Reaktion der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Im TTC Hamburg kam es zu einem Missbrauchsfall durch einen buddhistischen Lehrer. Ein Fall, wie er sich leider zu oft im religiösen Kontext wiederholt. Die Betroffene wandte sich an die damals zuständige Missbrauchsbeauftragte der DBU, Dorothea Nett. Was sie dort vorfand, war jedoch nicht die erwartete professionelle, unabhängige und parteiliche Unterstützung für ein Opfer sexueller Grenzüberschreitung, sondern eine Abfolge struktureller Versäumnisse: mangelnde Sensibilität, unklare Rollentrennungen, fehlende Distanz und eine offensichtlich unzureichende Aufarbeitung. Der Artikel „Der Lama muss weg“ dokumentiert diese Vorgänge ausführlich und mit zahlreichen Quellen. Er ist ein investigativer Blick auf ein Milieu, das viel über Mitgefühl spricht, aber oft erstaunlich wenig davon praktiziert. Am 2. November veröffentlichte der Vorstand der DBU zu diesem investigativen Artikel eine Stellungnahme, die nach außen wirkt, als spräche der gesamte Verband. Tatsächlich jedoch stammt sie allein vom dreiköpfigen Vorstand, Anna Karolina Brychcy, Jinpa Chodron und Claus Herboth, ohne vorherige Einbindung des DBU-Rats. Darin heißt es unter anderem: „Der Autor des Artikels [also ich] habe die „Kompetenzen und die Qualität der Arbeit unserer Vertrauenspersonen stark abgewertet“, ohne dies „durch eine gründliche Recherche und sichere Fakten“ zu untermauern. Der Artikel trage der „Komplexität des Geschehens“ nicht Rechnung. Mit anderen Worten: Nicht der Missbrauch selbst, nicht das Versagen der Zuständigen, nicht die fragwürdige Nähe zwischen Beauftragten und Zentrum stehen im Fokus, sondern derjenige, der das Versagen öffentlich macht. Wer sich lange genug mit Institutionen beschäftigt, die Macht über Menschen ausüben, erkennt dieses Muster: Der Überbringer schlechter Nachrichten wird problematisiert, nicht die Nachricht selbst. Was die DBU als Verteidigung ihrer Vertrauenspersonen ausgibt, ist in Wahrheit eine Diskreditierungsstrategie, die unterm Strich vor allem eines bewirken soll: Sie lenkt vom Missbrauch ab. Die Redaktion von Ursache\Wirkung hat auf die Stellungnahme der DBU reagiert und die inhaltlichen Verzerrungen in einer eigenen Stellungnahme benannt. Einige zentrale Punkte: Der Plural „unsere Vertrauenspersonen“ ist unzutreffend: Kritisiert wurde ausschließlich das Verhalten einer Person, Dorothea Nett. Der Artikel basiert auf akribischer Recherche, zahlreichen Zeugenaussagen und wird zudem von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) gestützt. Die Stellungnahme des DBU-Vorstands enthält selbst keine überprüfbaren Fakten, sondern Unterstellungen. Sie wurde ohne Mandat des DBU-Rats veröffentlicht. Statt also Verantwortung gegenüber einem Missbrauchsfall in einer Mitgliedsgemeinschaft zu übernehmen, entscheidet sich der DBU-Vorstand für eine Handlungsweise, die uns aus der Kirchenlandschaft nur allzu vertraut ist: Schutz der Institution vor Aufklärung. Missbrauchsfälle verlangen Mitgefühl für die Opfer und sie verlangen Konsequenz, Verantwortungsübernahme, strukturelle Klarheit. Sie verlangen eine Kultur, in der Aufklärung wichtiger ist als Gesichtsverlust. Dass die DBU im Jahr 2024 eine Stellungnahme veröffentlicht, die nicht die Betroffene schützt, nicht den Missbrauch konsequent beleuchtet, sondern stattdessen versucht, investigativen Journalismus in Zweifel zu ziehen, ist mehr als irritierend. Es ist ein Schlag ins Gesicht aller, die im Buddhismus einen geschützten Raum suchen. Empörung ist in solchen Momenten kein unspirituelles Gefühl. Sie ist ein Kompass. Ein Hinweis darauf, dass etwas grundlegend schief läuft: Wenn buddhistische Institutionen den Mut verlieren, den Blick auf das Leid zu richten, dann verliert der Buddhismus seine moralische Glaubwürdigkeit. UPDATE 03/2025: Zwischenzeitlich hat die DBU auf massiven Druck und nach Ratsbeschluss ihre Stellungnahme gelöscht. Dies hat allerdings einige Monate gedauert. Ich habe deshalb eine Kopie der DBU-Stellungnahme oben verlinkt, weil das Original im Netz nicht mehr zur Verfügung steht.
Säkularer Buddhismus ist immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Doch, was ist säkularer Buddhismus eigentlich und ist die Kritik an ihm berechtigt? Ein Klärungsversuch.
Dieser Essay basiert im Wesentlichen auf einem Vortrag, den ich am 23. Februar 2020 in Berlin im Rahmen des überregionalen Einzelmitglieder-Treffens der DBU (Deutsche Buddhistische Union) gehalten habe. Der hier vorliegende Text stellt eine Bearbeitung des Redemanuskripts dar – auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse der anschließenden Diskussion. Außerdem enthält er ergänzend einen Exkurs: „Wiedergeburt und Karma aus säkularer Sicht“. Es sei vorausgeschickt, dass die folgende Betrachtung nicht erschöpfend ist. Es gibt viel mehr zu sagen. Dies würde aber den Rahmen eines Essays sprengen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass die folgenden Ausführungen, was säkularer Buddhismus ist, meine Sicht auf ihn darstellt. Ich kann selbstverständlich keineswegs für jeden säkularen Buddhisten sprechen. Dennoch bin ich mir sicher, dass eine angemessene große Schnittmenge zwischen dem, was ich ausführe, und den Überzeugungen anderer säkularer Buddhisten besteht. Wenn ich hier das Wort „säkular“ verwende, dann abgeleitet vom lateinischen „saeculum“: „Zeit“, „Zeitalter“ oder auch „Jahrhundert“, im Sinne ein konkretes Zeitalter betreffend. Säkularer Buddhismus positiv gedeutet In der Regel wird säkularer Buddhismus sowohl von dessen Vertretern als auch von seinen Kritikern negativ definiert: „Säkularer Buddhismus ist nicht ...“, „Säkularer Buddhismus verzichtet auf ...“, „Säkularer Buddhismus lehnt ab ...“. Mit dieser Perspektive ist zwar ein Rahmen abgesteckt, aber wir wissen dann noch immer nicht, was er ist, sondern lediglich, was er nicht ist. Die Negation nährt zudem das Vorurteil, säkularer Buddhismus sei in irgendeiner Weise ein beschnittener Buddhismus, eine Art verkürztes Dharma. Diese Annahme ist aber grundfalsch. Das will ich später noch zeigen. Hier weiter lesen... Das diesjährige überregionale Treffen der Einzelmitglieder der DBU fand vom 21. bis zum 23. Februar in Berlin statt. Man traf sich in einem beeindruckenden Backsteingebäude am sogenannten Ostkreuz der Hauptstadt nicht weit vom Zentrum entfernt. Im denkmalgeschützten Bau aus den 1920iger Jahren ist seit 2016 die größte Jugendherberge der Republik untergebracht. Bestens versorgt ließ es sich entspannt Netzwerken und arbeiten.
Offizieller Start des Treffens war das Abendessen am Freitag. Aber bereits ab Mittag desselben Tages fanden sich Buddhisten der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Buddhisten unter dem Regenbogen“ zu einer Runde zusammen. Nach dem Abendessen folgte ein Bericht aus Rat, AGs und zu den Aktivitäten der Delegierten der Einzelmitglieder Anna Karolina Brychcy, Hendrik Hortz und Klaus Rüther. Insgesamt hatten sich 40 Einzelmitglieder angemeldet. Nicht alle waren an allen Tagen vor Ort, sondern organisierten ihre Anwesenheit je nach Interesse an den angebotenen Themen. So standen zum Beispiel vier Impulsvorträge zur Auswahl. Den Anfang machte am Samstagvormittag Manfred Folkers, derzeit einer der DBU-Räte, mit einer Präsentation mit dem Titel „Buddhistische Ökologie – Grundlagen im Dharma und Impulse für unsere Praxis“. Es folgte Anna Karolina Brychcy, die als Psychologin Forschungsergebnisse aus der Umweltpsychologie vorstellte, wie man Menschen dazu motivieren könnte, sich im Sinne des Umweltschutzes zu verhalten. Am Samstagnachmittag widmeten sich die Einzelmitglieder im World-Café-Format, einer Workshop-Methode, die gut geeignet ist, unterschiedliche Sichtweisen zu einer Fragestellung zusammenzuführen, Themen, die sie im Moment am meisten bewegen: vom Umgang mit Gewalt, Hass und Ausgrenzung, über ökologisches Engagement bis hin zu Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz. Tobias Trapp rundete das Tagesprogramm mit seinem Impulsvortrag „Buddhismus unter dem Regenbogen – Gründung einer LGBTQ-Sangha“ ab. Zur Einstimmung auf den Abend, fand eine klingende Herzensmeditation statt. Am Sonntagvormittag untersuchte dann Hendrik Hortz in einem weiteren Impulsvortrag die Frage, was säkularer Buddhismus ist und wo er seinen Platz in der DBU finden kann. Das Mittagessen am Sonntag bildete den Abschluss der Veranstaltung. Danach zerstreuten sich die Teilnehmer langsam. Hier und da saß man noch bei einem Kaffee oder Tee zusammen und plauderte. Ein Teilnehmer, der zum ersten Mal bei einem DBU-Einzelmitgliedertreffen dabei war, meinte begeistert: „Ich bin so angetan über die Stimmung, die an diesem Wochenende herrschte. Alles war so herzlich. Und die Offenheit, mit der auch schwierige und kontroverse Themen bearbeitet werden konnten, hat mich total gefreut. Ich komme auf jeden Fall wieder.“ Heute hat der Rat der Deutschen Buddhistischen Union eine wegweisende Stellungnahme "zu Rassismus und Rechtsradikalismus" veröffentlicht. Die DBU macht deutlich, dass genannte Gesinnungen nicht mit den ethischen Werten des Buddhismus in Einklang zu bringen sind. Der Rat bekräftigt, dass die DBU entschlossen ist, derartigen Tendenzen entgegenzutreten.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen! https://www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-der-dbu-zu-rassismus-und-rechtsradikalismus-dezember-2019/ Vom 21.-23. Februar 2020 kommen die Einzelmitglieder der DBU wieder zu ihrem jährlichen überregionalen Treffen zusammen. Diesmal wird es besonders spannend. In verschiedenen Impulsvorträgen und Arbeitsgruppen soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die DBU zukünftig aufstellt. Die Themen, die verhandelt werden, berühren den Buddhismus in Deutschland als Ganzes: Buddhismus und gesellschaftliche Verantwortung, säkularer Buddhismus, LGBTQ und Buddhismus. Am Rande der Veranstaltung wird dann Zeit für persönliche Begegnungen sein.
Jeder, der Interesse hat, ist eingeladen. Auch Nichtmitglieder der DBU. Das Treffen beginnt am Freitagabend mit einem gemeinsamen Essen und wird vermutlich bis zum Sonntagmittag laufen. Bitte meldet Euch doch in der DBU-Geschäftsstelle per E-mail an: [email protected]. Wir sehen uns! Liebe Freunde des Buddha-Dharma,
wir laden euch herzlich zu unserem regionalen Treffen für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im November nach Leipzig ein: Wann: Samstag 16. November 2019 Zeit: 10:00 – 16:00 Ort: „Wujian Leipzig", Körnerstr. 10, 04105 Leipzig, www.wujian-leipzig.de Vor Ort werde ich euch, als Delegierter der Einzelmitglieder der DBU, erwarten und durch den Tag führen. Wir möchten an diesem Tag zwischen 10:00 – 16:00 Uhr Zeit miteinander verbringen, gemeinsam meditieren, Gespräche führen und vielleicht auch einen kurzen Impulsvortrag zu einem spannenden Thema hören, gemeinsam essen. Erfahrungsgemäß sind diese Zusammentreffen immer sehr intensiv und inspirierend, man erhält kostbare Impulse und knüpft wertvolle Kontakte. Bitte meldet euch doch bis spätestens Freitag 1. November bei mir per E-Mail an: [email protected] Ich freue mich, euch zu sehen! Euer Hendrik Hortz Mit Schreiben vom 17. Juni 2019 erklärt der BDD (Buddhistischer Dachverband Diamantweg) seinen Austritt aus der Deutschen Buddhistischen Union. Es wurde dem BDD klar, dass er in der von der DBU in diesem Herbst anberaumten außerordentlichen Mitgliederversammlung mit fliegenden Fahnen untergehen würde. Einen Rausschmiss auf dieser MV wollten sie nicht riskieren und zogen die Reißleine. Der Vorstand der DBU hat den Austritt inzwischen akzeptiert. Man spürt in dem knappen Antwortschreiben des DBU-Vorstands die Erleichterung. Aber ohne nachzutreten, wollte die Diamantweg-Sekte ihre Segel dann doch nicht streichen. In der Kündigung werden einige Begründungen für den Austritt gegeben, bei denen man nur denkt, „musste das jetzt noch sein“? Ein peinliches Schreiben ist das geworden. Wir sehen uns dieses im Einzelnen mal an (das Original als PDF am Ende dieses Artikels). Der BDD schreibt, dass er es bedauere, dass die DBU sich in einer „fortschreitenden Abkehr von den Werten der DBU-Satzung“ und „das Infrage stellen von Grundwerten, wie der freien Meinungsäußerung“ befinde. Er meint, dass man seine Autonomie beschneiden wolle. Er verdächtigt die DBU, dass sie versuche, die Vielfalt der verschiedenen buddhistischen Traditionen zu normieren. Was der BDD mit „freier Meinungsäußerung“ genau meint, ist klar: Als solche werden die pauschalisierenden und rassistischen Äußerungen Ole Nydahls eingeordnet. Kritik an ihnen, die ebenfalls vom Recht auf freier Meinungsäußerung gedeckt ist, ist dagegen unerwünscht. Sie wird als Abkehr von den Werten der DBU-Satzung“ und der Versuch buddhistische Vielfalt einzuebnen, diskreditiert. Wenn dem BDD der Grundwert der freien Meinungsäußerungen ernsthaft etwa bedeuten würde, hätte er sich dann nicht an dem von der DBU angebotenen Dialog beteiligen müssen? Und hätte man in der Vergangenheit nicht darauf verzichten müssen, Kritiker vor den Kadi zu zerren? Sorry, geehrte Diamantwegler, eure Liebe zur Meinungsfreiheit nehmen wir euch nicht ab. Diese Argumentation ist lächerlich. Weiter schreibt der BDD, dass „Teile des derzeitigen Vorstands und des Rats der DBU e.V. die eigenen Satzungsprinzipien missachtet und sogar an der Verbreitung von Falschaussagen über den BDD und Lama Ole Nydahl (...) beteiligt haben“. „Wir sehen darin einen eklatanten Machtmissbraucht“, nörgelt der BDD. Ja, das waren Zeiten, als die Diamantweg-Sekte im Rat und damit in der DBU unter dem damaligen 1. Vorsitzenden Gunnar Gantzhorn einen großen Einfluss genossen. Dass der BDD diesen Zeiten hinterher weint, kann ich nachvollziehen. Welche Falschaussagen da gemacht worden sein sollen, bleibt im Dunkeln. Es wird wie so oft angeklagt und man inszeniert sich als Opfer. Die Belege hierzu bleibt man schuldig. Werden doch einmal Belege angeboten, dann in der Art, dass verharmlost und verdreht wird. Es ist schon spannend, dass der BDD seinen Kritikern immer genau das (zu Unrecht!) vorwirft, was er selbst veranstaltet. Apropos verharmlosen und verdrehen. Gleich im nächsten Absatz der Austrittserklärung des BDD kann man diese Strategie besichtigten: „Viele Buddhisten in Deutschland betrachten die einseitige Skandalisierung von Randbemerkungen Lama Ole Nydahls als Ablenkung von schwerwiegenden Skandalen mit denen die DBU e.V. in jüngster Vergangenheit konfrontiert war“, so der BDD. Seit mehr als 30 Jahren hetzt Nydahl massiv und pauschal gegen Muslime. Aber auch andere Ethnien, Asiaten und Afrikaner, sind das Ziel seines Hasses. Laut BDD haben wir es aber nur mit unbedeutenden Randbemerkungen zu tun, die andere erst skandalisieren. Das durch ein Foto dokumentierte Treffen Nydahls mit dem europäischen Neo-Rechtsradikalen Geerd Wilders, die enge Freundschaft zu dem dänischen Journalisten Lars Hedegaard, gegen den wegen Volksverhetzung ermittelt wurde, oder der Kontakt des Lamas zum dänischen Pegida-Initiant Nicolai Sennels, sind dann nach BDD-Lesart wohl ebenfalls lediglich Randphänomene. Die Wahrheit ist, es handelt es sich nicht um eine künstliche Skandalisierung. Der Skandal ist größer, als von der Öffentlichkeit bisher wahrgenommen. Der Hinweis, man habe sich in der DBU um andere Skandale nicht ausreichend gekümmert, geht dagegen ins Leere. Die DBU kann entsprechende Aktivitäten nachweisen. Abgesehen davon, hatte der BDD, wie geschildert, in der besagten Zeit so ziemlich das Sagen in der DBU. Wenn es dem BDD wichtig gewesen wäre, hier eindeutiger Stellung zu beziehen, warum haben sie ihren Einfluss dann nicht geltend gemacht? Wie der BDD mit Verdrehungen agiert, ist schon bemerkenswert. Ach, und noch ein Wort zu den „vielen Buddhisten in Deutschland“, die angeblich die „Randbemerkungen“ Nydahls als Skandalisierung wahrnehmen. Wer ist denn damit gemeint? Ich habe in meiner Arbeit bei der DBU nur zwei Gruppen von „Buddhisten in Deutschland“ erlebt, die die rassistischen Ausfälle als „Randbemerkungen“ beschreiben, die skandalisiert werden: Einmal die Anhänger Nydahls selbst, die inoffiziell oftmals bemerken „Nydahl hat doch Recht“. Dazu einzelne ältere Herren, deren Zeit in der DBU längst abgelaufen ist, die offenbar ebenfalls Vorbehalte gegen den Islam hegen. Sie sind bereit, auf dem Altar, auf dem „Anerkennung des Buddhismus in Deutschland als Religion“ eingemeißelt ist, die Glaubwürdigkeit des Buddhismus im Westen zu opfern. Sie sehen jene Anerkennung als oberstes Ziel. Sie beschwören eine Einheit der Buddhisten, weil sie sich ausrechnen, die Anerkennung sei durch sie eher erreichbar. Dies steht Ihnen offenbar über seine ethische Integrität. Die Mehrheit der DBU-Delegierten sieht das anders. Im nächten Absatz quengelt der BDD, wie schon so oft, über angebliche undemokratische Strukturen. Das sorgt bei allen sonstigen Mitgliedern der DBU seit langem für Kopfschütteln. Wir wissen aus Erfahrung, dass der BDD dort, wo er mitwirkt, gern dominiert. Diesem Machtanspruch würde eine Regelung, bei der sich das Stimmrecht nach den Mitgliederzahlen richtet, entgegenkommen. Nach eigener Rechnung müsste dem BDD so mindestens ein Viertel alle Stimmrechte in der DBU zukommen. Dass dies den Exitus für die DBU als Dachverband aller Buddhisten in Deutschland bedeuten würde, ist dem BDD scheinbar egal. Die große Anzahl an kleinen Mitgliedsgemeinschaften würde sich auf die Dauer nicht damit arrangieren können, dass die großen Gemeinschaften über ihren Kopf hinweg entscheiden könnten. Deshalb ist das Stimmrecht großer Gemeinschaften in der DBU gedeckelt. Sogar der Bundesrat ist in dieser Weise organisiert. Das nennt man Minderheitenschutz. Ein zutiefst demokratisches Prinzip, das dem BDD fremd zu sein scheint. Von einem Demokratiedefizit kann in der DBU also nicht die Rede sein. Im letzten Abschnitt kann sich der BDD dann nicht verkneifen, die Bedeutung der DBU herunter zu spielen. Vielleicht, weil es dann nicht so weh tut, dass der Dachverband der Buddhisten in Deutschland nichts mehr mit ihnen zu tun haben will. Angeblich vertritt die DBU ohne den BDD nur „ca. 3% der Buddhisten in Deutschland“. Vorweg: Die Zahl ist falsch. Ich würde diese Rechnung gern sehen. Schauen wir genau hin: Die DBU hat ohne den BDD rund 15.000 Mitglieder. Nach Schätzungen der DBU selbst (und die sind hochgegriffen, würde ich sagen), haben wir in Deutschland etwa 130.000 westliche Buddhisten, Konvertiten. Dazu kommen 120.000 asiatische Buddhisten, im Wesentlichen sind das Migranten. Mein Dreisatz sagt mir, dass bezogen auf die Konvertiten die DBU 11,5% der Buddhisten als Mitglieder umfasst. Rechnet man die Asiaten mit ein, die meines Wissens bisher kein Interesse daran gezeigt haben, sich in einem gemeinsamen Dachverband zu organisieren, kommen wir auf 6%. Da hat sich der BDD wohl versehentlich verrechnet. Die Mitgliederzahlen sind zugegeben noch deutlich verbesserbar. Aber die DBU ist und bleibt der erste Ansprechpartner für staatliche Organe und andere Religionen, wenn man mit den Buddhisten in Deutschland ins Gespräch kommen möchte. In den Jahrzehnten, in denen der Diamantweg Teil der DBU war, kann ich mich auch nicht erinnern, dass ich je gehört hätte, dass es ihnen wichtig war, viele neue Gemeinschaften für die DBU zu gewinnen. Ihr ganzes Streben ist davon geprägt, die Bedeutung ihrer eigenen Gemeinschaft zu stärken. Abschließend ein Wort über die angebliche Größe des BDD. Man hört von ihnen immer wieder, man habe 160 Zentren, manchmal sind es auch über 170, mit mehr als 5.000 Mitgliedern in Deutschland. Ein einsehbares Mitgliederverzeichnis gibt es allerdings nicht. Auf der BDD eigenen Übersichtsseite zählte ich vor einigen Tagen etwas mehr als 70 Zentren. Der Rest wird als „Gruppen“ bezeichnet. Besucht man die Zentren, die abseits der großen Ballungsräume und Städte aufgeführt sind, begegnet man max. einem Dutzend Besucher, ob das schon Mitglieder sind, bleibt offen. Vor diesem Hintergrund vermute ich, dass die Mitgliederzahl herbei fanatisiert ist. Das hat Methode: Den Gegner, oder der, der dafür gehalten wird, kleiner reden und die eigene Bedeutung aufblasen. Ich bin ebenfalls erleichtert, dass die Diamantweg-Sekte nicht mehr Teil der DBU ist. Ich sehe mich ehrlich gesagt auch nicht in der Lage, dem BDD pauschal alles Gute für ihre Zukunft zu wünschen. Ich hoffe aber, dass Einzelne – auch hohe Funktionäre – den Weg aus der Sekte heraus finden und sich von den Verblendungen eines angeblich erleuchteten Gurus befreien können. Und ich wünsche mir, dass ich hier in meinem politischen Blog, in dem ich über meine Tätigkeit bei der DBU berichte, nun nicht mehr soviel über die Glitzerbuddhisten schreiben muss – am liebsten gar nicht mehr. Kündigungsschreiben des BDD:
Antwortschreiben der DBU auf das Kündigungsschreiben des BDD: https://68214.seu1.cleverreach.com/m/7331681/607051-510cd38a065bfc57c1ce781fb1e878dc Vorangegangene Stellungsnahme der DBU zu Aussagen der BDD-Vertreterin Nadia Wyder über die DBU:
https://www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-des-vorstands-der-dbu-zu-aussagen-der-bdd-vertreterin-nadia-wyder-ueber-die-dbu/ Liebe Einzelmitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde im Dharma, am Wochenende von Freitag, den 26. April, bis zum Sonntag, den 28. April, trafen sich die Delegierten der Mitgliedsgruppen der DBU wieder zur alljährlichen Mitgliederversammlung. Diesmal kamen rund 60 Delegierte im Lebensgarten Steyerberg, der zwischen Bremen und Hannover liegt, zusammen. Vom wichtigsten und bewegendsten Thema dieser MV, das auch den größten zeitlichen Raum einnahm, möchten wir im vorliegenden Newsletter zuerst berichten. Punkt 8 auf der Tagesordnung: „Antrag auf Einleitung des Ausschlussverfahrens gegen den Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD) e.V. aus der Deutschen Buddhistischen Union“, eingereicht von Klaus Rüther und unterstützt von Anna Karolina Brychcy und Hendrik Hortz (alle drei Delegierte der Einzelmitglieder). Hintergrund des Antrages war u.a. die zunehmende Kontroverse um die umstrittenen Äußerungen Ole Nydahls und das als unangemessen empfundene Verhalten von BDD-Vertretern, die eine klare Entscheidung zum Verbleib des BDD in der DBU erforderlich machen. Dabei war den Antragsstellern insbesondere wichtig, dass die Frage über den Verbleib oder den Ausschluss des BDD, nicht von Einzelpersonen, sondern in einem demokratisch Prozess nach einer fairen Diskussion entschieden werden sollte. Damit kamen die Delegierten ihrem Mandat nach: In zahlreichen Einzel- und Gruppengesprächen, regionalen Treffen, E-Mails und offenen Briefen von Mitgliedern kristallisierte sich klar die Forderung heraus, den BDD aus der DBU auszuschließen. Auch das Ratsmitglied Manfred Folkers und die Buddhistische Gesellschaft Hamburg legten entsprechende Stellungnahmen bzw. Anträge vor. Am Samstagnachmittag begann dann hierrüber die Diskussion. Sie wurde über mehrere Stunden weitgehend respektvoll und sachlich geführt. Mit einer deutlichen Mehrheit von 43 Ja-Stimmen, zu 13 Nein-Stimmen, bei 3 Enthaltungen wurde der Antrag von Klaus Rüther angenommen. Es soll nun eine sechsmonatige Dialogphase folgen. In ihr sind alle Beteiligten, aufgerufen, sich darüber klar zu werden, ob es noch eine gemeinsame Grundlage gibt, die Mitgliedschaft des BDD in der DBU aufrecht zu erhalten. Über den Ausschluss des BDD aus der DBU wird dann durch die Delegierten am letzten Septemberwochenende bei einer außerordentlichen MV abgestimmt werden. Ein weiterer obligatorischer Tagesordnungspunkt war die Betrachtung der Finanzsituation der DBU. Claus Herboth, der Schatzmeister, informierte die Delegierten, dass die DBU im Jahr 2018 ein deutliches Minus im Haushalt aufweist. Er präsentierte aber gleich im Anschluss Maßnahmen für das Haushaltsjahr 2019, die dazu geeignet sein sollen, ein weiteres Defizit zu verhindern. Er wies zudem darauf hin, dass die DBU über ausreichend Rücklagen verfüge, um das Minus im Vorjahr aufzufangen. Zusätzlich wurde die AG Finanzen beschlossen, die Vorschläge für ein transparentes Finanzcontrolling erarbeiten wird. Zwei Gemeinschaften baten um die Aufnahme in die DBU: „Marpa Lobdra e.V.“ aus Berlin, eine dem Vajrayāna nahestehende Gemeinschaft, und „Zen in München“. Beide Gemeinschaften wurden einstimmig in der DBU willkommen geheißen. Nach einer dreijährigen „Probezeit“ werden diese Gemeinschaften dann nach erneuter Abstimmung durch die Delegierten Vollmitglieder. Dies war im letzten Jahr beim EIAB der Fall. Sister Bi Nghiem vertrat heuer als stimmberechtigte Delegierte erstmalig das „European Institute of applied Buddhism“. Die AG Struktur sowie die Ethik-AG stellten ihre Arbeit vor. Aus der AG Struktur wurde berichtet, dass man sich intensiv um eine neue Regelung der Mitgliedsbeiträge bemühe und um eine Reform der Stimmverteilung. Die Ethik-AG stellte u.a. einen Entwurf eines Ethikkodex vor. Hier diskutierten die Delegierten, ob alle DBU-Mitgliedsgemeinschaften den gemeinsamen Ethikkodex verbindlich einführen sollen oder ob es auch möglich sei, einen individuellen Ethikkodex zu entwickeln. Einige Mitgliedsgruppen verfügen bereits über eigene Ethikrichtlinien. Alle Einzelmitglieder sind herzlich eingeladen, sich in die Diskussion um den Ethik-Kodex einzubringen. Hier ist er zu finden: www.buddhismus-deutschland.de/wp-content/uploads/Ethikkodex-%E2%80%93-Arbeitspapier-Mai-2019.pdf Sodann erhielten Vertreter der Mitgliedsgemeinschaften Rigpa und Shambala die Gelegenheit, vom Stand ihrer Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in ihren Reihen zu berichten. Rigpa und Shambala konnten vermitteln, dass sie ernsthaft versuchen, sich der Problematiken zu stellen und Strukturen zu schaffen, um zukünftig Missbrauchsfälle auszuschließen. Nicole Baden, Mitglied des Rats, berichtete abschließend von Ihren Ideen, Strukturen und Prozesse zu schaffen, die es der DBU zukünftig ermöglichen sollen, zeitnah zu wichtigen gesellschaftlichen Themen Stellung zu nehmen. Sie hatte sich bei der Mitgliederversammlung im letzten Jahr bereit erklärt, hier entsprechende Konzepte zu entwickeln. Wir haben diese Mitgliederversammlung als sehr wertvoll erlebt. Sie wird für die Zukunft der DBU richtungsweisend sein: Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt mit dem Diamantweg nährt sich einer Klärung, ein Ethikkodex steht kurz vor der Fertigstellung – die entsprechende Arbeitsgruppe lädt hier zu reger Beteiligung ein –, zwei große Mitgliedsgemeinschaften, Rigpa und Shambala, stellen sich ihren Problemen und führen interne Reformen durch und die DBU bereitet alles vor, sich zukünftig als buddhistischer Dachverband am gesellschaftspolitischen Diskurs mit eignen Stellungnahmen zeitnah beteiligen zu können. Eure Delegierten Anna Karolina, Hendrik und Klaus Impressionen von der diesjährigen MV findet ihr hier: www.frank-hendrik-hortz.de/fotogalerie.html 43/13/3 das sind nicht die neuen Idealmaße eines praktizierenden Buddhisten, das war das Stimmenverhältnis, das zur Annahme eines Antrags auf Einleitung eines Ausschlussverfahrens zu Lasten des BDD (Buddhistischer Dachverband Diamantweg) führte. Nach mehrstündiger Diskussion war es am vergangenen Samstag, den 27. April, um 20:30 Uhr soweit: 59 stimmberechtigte Delegierte der diesjährigen Mitgliederversammlung der Deutschen Buddhistischen Union beschlossen in geheimer Abstimmung, dass ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt mit der Mitgliedsgemeinschaft Diamantweg nun zu einem geordneten Ende kommen soll.
Streitpunkt sind die wiederholten islamfeindlichen und rassistischen Äußerungen des dänischen Gründers und Leiters der Diamantweg-Sekte Ole Nydahl, sowie sein Verhältnis zu Gewalt und seine Kontakte zu europäischen Neo-Rechtsradikalen. Kritisch werden auch seine sexuellen Eskapaden gesehen. In der der Abstimmung voran gegangenen Diskussion wurde von mehreren Delegierten beklagt, dass Diamantwegvertreter immer wieder durch manipulatives Kommunikationsverhalten und durch ihr dominantes, von Selbstüberschätzung geprägtes Auftreten auffallen. Es wurde angemerkt, dass der BDD regelmäßig Projekte in der DBU blockiere, um eigene Interessen durchzusetzen, und u.a. mit dem Argument, es gäbe in der DBU ein Demokratiedefizit, beharrlich versuche, seinen Einfluss in der DBU zu vergrößern. Die Diamantweg-Sekte gilt zudem als sehr klagefreudig. Zuletzt wurden mehrere Blogger und Kritiker von dem Haus- und Hof-Juristen Nydahls, Jan Weber, auf Unterlassung verklagt. Weber ist auch Geschäftsführer der Millionen schweren Buddhismus Stiftung Diamantweg. In dem nun eingeleiteten Verfahren, will sich die DBU sechs Monate Zeit nehmen, um in einem Klärungsprozess zu prüfen, ob man noch ausreichend Gemeinsamkeiten findet, um die Mitgliedschaft des BDD in der Deutschen Buddhistischen Union aufrecht erhalten zu können. In einer im Herbst dieses Jahres angesetzten außerordentlichen Mitgliederversammlung soll es dann zu einer endgültigen Entscheidung über den Verbleib oder auch den Ausschluss des BDD aus der DBU kommen. „Der angestrebte Klärungsprozess ist ein Gesprächsangebot an den Diamantweg“, so einer der Delegierten. Er steht aber von Anfang an unter einem eher schlechten Stern. Die Diamantweg-Delegierten machten klar, dass sie an einem Klärungsprozess nicht sonderlich interessiert sind. Ein Delegierter kündigte gar den Boykott des Gesprächsangebots an. Schon vor der jetzigen Mitgliederversammlung lehnte der BDD jeden Kompromiss ab und verwahrte sich vehement gegen die Forderung des DBU-Rats, sich von den umstrittenen Äußerungen Nydahls zu distanzieren. Der Diamantweg-Vertreter im Rat der DBU, Sören Hechler, trat unmittelbar nach Bekanntgabe des sehr eindeutigen Abstimmungsergebnisses von seinem Amt zurück. Kurz vor der Abstimmung hoffte ein Diamantwegsympathisant, den Antrag auf Einleitung eines Ausschlussverfahrens zu verhindern, indem er ihn als juristisch unzulässig erklärte. Diamantwegvertreter attackierten zwei Vorstände der DBU mit einem Misstrauensantrag. Und am Sonntagvormittag schließlich, am nächsten Sitzungstag also, wurde dann noch ein Versuch unternommen, den Termin für die außerordentliche MV, bei der die endgültige Entscheidung über Verbleib oder Ausschluss des Diamantwegs aus der DBU gefällt werden soll, zu kippen. All dies scheiterte. Die Vertreter des Diamantwegs nahmen am Sonntag auch schon nicht mehr an der Mitgliederversammlung teil. Man sei an dem Rest der Veranstaltung nicht mehr interessiert, hörte man von den Diamantweg-Delegierten. |
Archiv
Februar 2026
|
||||||
RSS-Feed