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Die Spendenfalle – neueR Hilferuf der DBU

15/12/2025

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Ein neuer Spendenaufruf der Deutschen Buddhistischen Union ist im Umlauf. Wieder bittet die DBU um Geld – um sehr viel Geld, genauer: um 50.000 Euro. Wieder ist der Ton alarmistisch, wieder appelliert man an Solidarität, Verantwortung und das gemeinsame buddhistische Anliegen. Und wieder bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Warum steht der Dachverband trotz aller Warnungen, Analysen und Einsichten noch immer nicht auf einer tragfähigen wirtschaftlichen Grundlage?

Der erneute Spendenaufruf ist ein Symptom. Er zeigt, dass die DBU weiterhin auf kurzfristige finanzielle Interventionen setzt, statt die strukturellen Ursachen ihrer Krise konsequent anzugehen. Das Damoklesschwert der Insolvenz hängt deshalb wohl weiter über dem Dachverband, wie schon vor einem Jahr.

Spenden ersetzen keine Strategie. Spenden können helfen, Zeit zu kaufen. Sie können Atem verschaffen, Übergänge ermöglichen, Notlagen abfedern. Was sie nicht können: dauerhafte insuffiziente Strukturen kompensieren. Genau das aber scheint der Vorstand der DBU nach wie vor zu versuchen. 

Wenn ein Verein über Jahre hinweg – bereinigt um außergewöhnliche Spendeneinnahmen – jährlich rund 50.000 Euro mehr ausgibt als er einnimmt, dann ist ein erneuter Spendenaufruf in exakt dieser Höhe kein Zufall. Er ist die stillschweigende Anerkennung, dass man die Probleme nicht beseitigt hat, sondern sie externalisiert: an die Spendenbereitschaft der Mitglieder und Förderer. Damit wird aus Solidarität eine Pflicht und aus Großzügigkeit ein Geschäftsmodell.

Was geschieht eigentlich, wenn sich bei Mitgliedern und Förderern der DBU eine Ermüdung einstellt? Wenn der Eindruck entsteht, dass jeder Hilferuf lediglich den nächsten vorbereitet? Wenn aus der Ausnahme die Regel wird? Dann kippt das Vertrauensverhältnis. Die Frage lautet dann nicht mehr: „Wie können wir helfen?“ Sondern: „Warum ist das schon wieder notwendig?“

Eine Organisation, die ihre Existenz wiederholt nur durch außerordentliche Spenden sichern kann, signalisiert klar: Wir haben die Lage nicht im Griff. Und genau dieses Signal untergräbt bei den Mitgliedern langfristig die Bereitschaft, erneut Verantwortung für ihren Verband zu übernehmen.

Bis heute bleibt auffällig, wie zögerlich und halbherzig die notwendigen Entscheidungen getroffen wurden. Ja, es gab Sparmaßnahmen. Ja, es gab Appelle. Aber es gab keine konsequente Neuausrichtung, keinen offenen Priorisierungsprozess, keine ehrliche Debatte darüber, was sich die DBU realistisch leisten kann und was nicht.

Stattdessen entsteht der Eindruck, man wolle das bestehende System möglichst unangetastet erhalten und seine Finanzierung immer wieder durch moralische Mobilisierung absichern. Hoffnung ersetzt Planung, Appell ersetzt Führung. Das ist fahrlässig.

Der wiederholte Rückgriff auf Spenden verweist auf die Angst vor Kontrollverlust. Wirkliche Strukturreformen bedeuten immer auch, liebgewonnene Projekte zu hinterfragen, Zuständigkeiten zu verändern, Einfluss abzugeben. Sie zwingen dazu, zwischen Wichtigem und Wünschenswertem zu unterscheiden. Spendenaufrufe dagegen sind bequem. Sie verschieben die Zumutung weg von den Entscheidungsträgern hin zur Basis. Die Mitglieder sollen retten, was der Vorstand der DBU nicht neu ordnen will.

Ein Verband, der sich ethisch auf Selbstverantwortung beruft, vermeidet genau jene Verantwortung auf institutioneller Ebene. Gerade für einen buddhistischen Dachverband ist diese Dynamik problematisch. Denn buddhische Praxis bedeutet nicht, Konflikte zu übertünchen oder unangenehme Wahrheiten zu umspenden. Sie bedeutet, hinzusehen, Ursachen zu erkennen und Leiden an der Wurzel zu bearbeiten auch wenn das schmerzhaft ist.

Der neue Spendenaufruf wirft deshalb eine unbequeme, aber notwendige Frage auf: Was ist der Plan für den Moment, in dem diese 50.000 Euro nicht mehr zusammenkommen? Solange diese Frage nicht offen, transparent und gemeinsam beantwortet wird, bleibt jede finanzielle Rettung vorläufig. Wegen der mangelnden Konsequenz und Kompetenz des Vorstands der Deutschen Buddhistischen Union hängt das Damoklesschwert der Insolvenz weiter über den Köpfen der Verbandsbudhisten. 

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